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Kinder in der Krise stärken in Argentinien

21. April 2020

In der «Lechería de la Solidaridad» in Buenos Aires erhalten rund 300 Kinder und Jugendliche aus einem Armenviertel täglich eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenhilfe und ein vielfältiges Freizeitangebot. Seit Mitte März ist die Lechería wegen des Coronavirus geschlossen. Doch die Mitarbeitenden finden kreative Wege, die Kinder und ihre Familien trotzdem zu erreichen.

Seit dem 20. März herrscht in Argentinien Pflicht-Quarantäne, um eine rasche Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Für viele Menschen aus den Armenvierteln fällt damit der tägliche Verdienst als Reinigungskraft, Abfallsammler oder Gelegenheitsarbeiterin weg und sie sind auf Suppenküchen angewiesen. Social distancing ist in den beengten Wohnverhältnissen kaum möglich. Für Familien, die bereits Probleme mit Armut, Arbeitslosigkeit, Sucht oder häuslicher Gewalt haben, verschärft sich diese Problematik.

Virtuelle Bibliothek und Gesundheitstipps

Ziel der «Lechería» ist es, den Kindern und Jugendlichen einen Rahmen zu bieten, in dem sie Sicherheit und Geborgenheit erfahren und ihre Fähigkeiten entfalten können. Gleichzeitig werden auch Eltern bei Erziehungsfragen unterstützt. Diese Ziele bleiben – und werden nun anders umgesetzt, so gut dies geht. Am letzten Tag vor der Quarantäne packten die Mitarbeitenden Lebensmittelpakete für die Familien und dies tun sie weiterhin jede Woche. Über soziale Medien bekommen die Kinder Rätsel, Geschichten und Leseübungen. Eine virtuelle Bibliothek lädt sie ein, ihre Lieblingsgeschichte vorzulesen und beizusteuern. Einfache Bilder erklären, wie sich das Coronavirus verbreitet, wie man sich schützt und Verantwortung für seine körperliche und seelische Gesundheit übernimmt. Sportlehrer Juan ruft via Facebook regelmässig zum gemeinsamen Gratis-Unterricht für die ganze Familie zu Hause auf und zeigt Übungen vor.

Für alle da

Erwachsene bekommen über die Facebook-Seite der Lechería wichtige Informationen über Hilfsprogramme des Staates. Kinder werden aufgerufen, wenn sie mögen, mit Material, das sie haben, einen Regenbogen zu basteln und ins Fenster zu hängen. Und sich auf den Tag zu freuen, wenn der Sturm vorbei ist und sie wieder zusammen Fussball spielen können. Der persönliche Kontakt fehlt. Doch das Team der Lechería versucht in Beziehung zu «seinen» Kindern und Jugendlichen zu bleiben und möglichst auch zu deren Eltern, die teilweise überfordert sind. Fast jeden Tag bietet das Team neue Ideen, Angebote, Überraschungen und kurze Mitteilungen wie diese: «Liebe Quartier-Gemeinschaft: Wir von der Lechería wünschen euch allen eine ganz gute Nacht und einen wunderschönen Sonntag. Unsere Botschaft an euch ist: Wir sind für euch alle da.»

Connexio, das Netzwerk für Mission und Diakonie der Evangelisch-methodistischen Kirche unterstützt die Lechería seit vielen Jahren mit einem Projektbeitrag.

Projektbeschreibung Lecheria
Facebookseite Lecheria
Video zur aktuellen Situation Lecheria (spanisch)

Text: Nicole Gutknecht, Connexio / Foto: Mercedes Henderson, Lechería de la Solidaridad