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Aus aller Welt

Mittwoch, 22. November 2017 14:46 Alter: 23 days

Connexio-Konferenz 2017: Ein Kongo-Tag mit vier EMK-Bischöfen

In der Demokratischen Republik Kongo herrscht derzeit Stress. Dies ist der eine Teil der Botschaft, welche die vier EMK-Bischöfe bei ihrem Besuch in die Schweiz überbrachten. Der andere Teil ihrer Botschaft betraf jedoch eine grosse Kirche, welche trotz aller Alltagsnot und aller Krisen hoffnungsvoll unterwegs ist. An der jährlichen Connexio-Konferenz am 18. November in Bern ist die Partnerschaft zwischen der EMK in der Schweiz und der EMK im Kongo thematisiert worden.

Gemeinsam Kirche leben: Unter der Leitung der vier Bischöfe aus dem Kongo feierten die Konferenzbesucher das Abendmahl.

Begegnung mit den Bischöfen: Interessiert am Leben im Kongo zeigten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Workshops.

Auf dem Podium stand die Frage im Zentrum: Was bedeutet die Partnerschaft zwischen der EMK im Kongo und der EMK in der Schweiz?

Freude am Singen und Tanzen: Bischof Muyombo Mande motivierte die Versammlung zu einem bewegten Gotteslob.

„Wir wollen einen erneuerten, einen neuen Kongo“. Mit diesen Worten richtete sich Bischof Daniel Lunge Onashuyaka an die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz. Lunge nannte dazu Gerechtigkeit, Liebe zu Gott, Ehrlichkeit und Kompetenz im Handeln der Menschen. Zuvor hatte der amtsälteste Bischof, Gabriel Unda Yemba, ein düsteres Bild der Situation im Kongo gezeichnet. Die vielen Bodenschätze sind besonders im Osten der Grund für jahrelange Konflikte mit fast täglicher Gewalt. Milizen überfallen über Nacht Dörfer, plündern, vergewaltigen Frauen und Kinder, zünden Häuser und Dörfer an. Wer fliehen kann muss sich in den Wäldern verstecken oder lebt monate- oder jahrelang in einem provisorisch eingerichteten Flüchtlingslager.

 

Tränen über einem grossen Land

Als er die Bilder von Menschen in einer Flüchtlingssiedlung zeigte, konnte Bischof Muyombo Mande die Tränen kaum zurückhalten. „Es ist schwierig von dem zu reden, was wir jeden Tag erleben. Manchmal macht der Kongo müde“, sagte er. „Aber in den hoffnungslosen Momenten tröstet Christus und die Gebete geben Kraft. Betet für unsere jungen Mädchen und Knaben, unsere Mütter, die Menschen, die fast alles verloren haben“.

 

EMK im Kongo engagiert sich für Frieden und Stabilität

An vielen Beispielen wurde aufgezeigt, dass die kongolesische Methodistenkirche viel mehr tut als beten. Sie engagiert sich zusammen mit anderen Kirchen und Organisationen in nationalen und internationalen Gremien für den Frieden. Sie organisiert Schulungen zur Konfliktlösung, Sie bereitet ihre Mitglieder auf die Präsidentenwahlen vor, die im Dezember 2018 stattfinden sollen. Kirchenmitglieder und Gemeinden leisten immer wieder Nothilfe, wo Menschen auf der Flucht oder von einer Naturkatastrophe betroffen sind. Schon seit etlichen Jahren ist sie auch in der Verbesserung der sozialen Situation aktiv, etwa durch Schulen, Spitäler und Gesundheitszentren und Agrarprojekte. Bischof Kasap Owan Tshibang aus dem Südkongo und die drei anderen Bischöfe drückten wiederholt ihre Dankbarkeit dafür aus, dass Connexio einige dieser Projekte unterstützt und mit dem Koordinator in Lubumbashi beratend zur Seite steht.

Doch in den Beziehungen Schweiz-Kongo geht es nicht um einen Einwegverkehr. Die afrikanischen Bischöfe unterstrichen, wie wichtig ihnen sei, das gegenseitige Vertrauen und die Partnerschaft zu stärken.

 

Vom Wert kirchlicher Partnerschaften

Dass die Schweiz und der Kongo doch irgendwie zusammengehören, betonte auch Christian Weber, Mitarbeiter von Mission21. „Wir atmen die Luft aus dem Kongobecken, dem weltweit zweitgrössten, aber zunehmend bedrohten, Regenwald. Es ist eine Tatsache, dass heute die wichtigsten Rohstoffe (beispielsweise Koltan und Kobalt) unserer Elektronikgeräte oft aus Minen im Ostkongo stammen“, sagte Weber. Das müsse uns auch sensibel machen, welche Verantwortung wir hier tragen, etwa was Fragen des Verhaltens multinationaler Konzerne, der Ausbeutung in den Minen, der Kinderarbeit der Zerstörung riesiger Landschaften betreffe. Dabei betonte Weber gerade auch die Bedeutung der kirchlichen Partnerschaften. „Diese sind oft wichtiger als man meint. Denn die Kirchen sind langfristig präsent, nahe bei den Menschen im Dorf; auch dann, wenn die Hilfsorganisationen längst wieder weg sind.“


Hinweis: Lesen Sie auch die Interviews mit den vier Bischöfen aus der Demokratischen Republik Kongo.

 

Connexio / Thomas Hanimann